WunderNova Gründerin Angela De Giacomo über erfolgreiche Frauen und wieso wir ein Frauennetzwerk brauchen.

Angela de Giacomo, WunderNova Gründerin und globale Vernetzerin ©AusserGewöhnlich Berlin

Unsere Networking-Expertin Angela De Giacomo: Warum wir ein Frauennetzwerk brauchen

Angela De Giacomo über erfolgreiche Frauen. Und warum Berlin ein Frauennetzwerk braucht.

Angela pendelt zwischen Indien und Berlin. In Indien investiert sie für eine indische Unternehmerfamilie unter anderem in Start-Ups.

Die WunderNova-Gründerin Angela De Giacomo ist eine Großdenkerin und globale Vernetzerin.

Jetzt verbindet sie Ihre Kontakte nicht nur in der deutsch-indischen Start-Up Szene, sondern knüpft auch in Berlin ein Frauennetzwerk.

Zur ersten Edition ihres Frauen Sommer- und Thinkfests WunderNova kamen Powerfrauen wie Elke Büdenbender, Ehefrau des Bundespräsidenten, Brigitte Mohn aus dem Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Automobilrennfahrerin Sophia Flörsch oder Unesco Präsidentin Verena Metze Mangold.

Angela erzählt uns, was es braucht, um als Frau erfolgreich zu sein und erklärt, warum wir in Berlin ein Frauennetzwerk brauchen.

Was hältst Du generell von Frauennetzwerken?

Ich bin in keinem externen Frauennetzwerk Mitglied. Das einzige Netzwerk, bei dem ich Mitglied bin, ist AusserGewöhnlich Berlin.

Wir sind stolz darauf!

Ich sage immer: Ich bin bei dem Business-Club für diejenigen, die keine Business-Clubs mögen.
Um zu den Frauen zurückzukommen: Bei Frauennetzwerken kommt es immer darauf an, was man sich erhofft.
In der Position, in der ich jetzt bin, möchte ich Frauen treffen, bei denen ich nicht groß erklären muss, wo ich stehe, was ich mache und warum ich das tue.

Mir persönlich fehlt ein Frauennetzwerk, das international ist und bei dem ich Gleichgesinnte treffe.

Was muss man sein, um „gleichgesinnt“ zu sein?

Eine Frau, die einige Male aus ihrer Komfortzone getreten ist.

Das heißt jetzt nicht nur, viel zu verdienen oder im Beruf erfolgreich zu sein?

„Erfolg ist vor allem eine gedankliche Leistung. Das mit dem eigenen Wirken verdiente Geld ist die Wertschätzung, die von außen kommt.“


Aber wenn jemand erfolgreich im gemeinnützigen Bereich arbeitet, wo man tendenziell weniger verdient als vermutlich in meiner Branche, dann wird Erfolg wahrscheinlich nicht in Geld, sondern am gesellschaftlichen Beitrag gemessen.

Generell möchte ich mich in einem Frauennetzwerk mit Frauen verbinden, die das tun, was Ihnen Spaß macht und die ihre Ziele erfolgreich verfolgen.

Ich bin ein leistungsbezogener Mensch. Ich achte Menschen für ihr Tun und Wirken.

Und solche Frauen willst Du mehr kennenlernen?

Ja. Ich bewundere Menschen, die ihr Leben selbstbestimmt gehen und etwas schaffen. Dazu gehört viel schöpferische Kraft. Für Frauen, die ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand nehmen, habe ich das erste WunderNova Frauen Sommer- und Thinkfest in Berlin organisiert.

Spricht das Frauennetzwerk Fest nur berufstätige Frauen an?

Nein. Es waren Frauen und ihre Familien eingeladen. Es kamen viele Jugendliche und Studentinnen – also Frauen, die einige wichtige Entscheidungen noch vor sich haben. Es geht nicht um die Kategorie „berufstätig.“ Schließlich wollen nicht alle berufstätigen Frauen auch Karriere machen. Teilweise haben diese Frauen ganz andere Schwierigkeiten zu bewältigen, die ich selbst gar nicht gut kenne und bedienen kann.

Welche Frauen „bedienst“ du denn?

Ich denke, ich kann diejenigen motivieren und inspirieren, die vorhaben, Karriere zu machen.
Und hadern, wenn es um die eigene Courage geht.

Ich bin selbst intrinsisch motiviert, wollte beruflich immer etwas erreichen. Ich kenne einige der Hürden, die sich einem dabei in den Weg stellen können. Meine Erfahrung und meine Freude am eigenen Wirken im Berufsleben ist es, was ich weitergeben möchte.

„Aus meiner Sicht ist eine berufliche Karriere und das Erreichen der beruflichen Spitze mit Hochleistungssport vergleichbar.“


Darum habe ich zum Sommerfest Frauennetzwerk auch erfolgreiche Frauen aus dem Bereich Sport eingeladen.

Neben Sportlerinnen waren natürlich auch Frauen aus der Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und dem Unternehmertum dabei.

Was für eine Arbeit muss man denn machen, um für Dich zu den „Hochleistungs-Sportlerinnen“ zu gehören?

Hochleistungssportler sind Menschen, die ihren Sport mit einem hohen zeitlichen Einsatz nachgehen, darauf fokussiert sind und das Ziel haben im (internationalen) Wettkampf zu gewinnen.
Auf andere berufliche Karrieren angewandt, bedeutet es im Grunde genommen dasselbe: Ein hoher zeitlicher Aufwand, seine beruflichen Ziele zu erreichen.
Unter Karriere verstehen viele vor allem Top-Manager, die in Unternehmen arbeiten.

Für mich ist Karriere der berufliche und soziale Aufstieg eines Menschen in seinem gewählten Metier an die Spitze.

Ob dort jetzt eine Goldmedaille, der C-Level Bereich, der Pulitzer-Preis, ein Michelin Stern oder die eigene Kunstausstellung winken – es gibt diesen Karriereverlauf in allen Branchen.
Eben überall, wo es eine Spitze zu erklimmen gibt.

„Ich will die Beste sein. Egal wie unterschiedlich die Karrieren der Frauen auch sind, dieser Gedanke haben alle erfolgreichen Frauen gemeinsam. Frauen mit dieser Geisteshaltung wollen nach oben. Frauen mit dieser Geisteshaltung sind spannend.“


Diese Frauen sollten in einem Frauennetzwerk verbunden werden.

Im ersten WunderNova Frauen Sommer- und Thinkfest vernetzen sich Frauen mit komplett unterschiedlichen Karrieren aus unterschiedlichen Branchen.

Es gibt viele Initiativen, die sagen: „Wir müssen Frauen fördern“, „Wir müssen Frauenquoten einführen.“ Und „Wir müssen gegen dieses Patriarchat kämpfen“. Fühlst du dich da angesprochen?

(Lacht) Nein, da fühle ich mich nicht angesprochen, denn da kämpft man gegen etwas, und nicht für etwas. Ich finde positive Stimulation einfach anregender. Menschen zu verbinden und zu ermutigen. Das ist eher mein Stil.
Was das Patriarchat angeht – ich habe dieses Themenfeld nicht studiert. Ich bin auch nicht sehr vergangenheitsorientiert, sondern zukunftsorientiert. Das bedeutet: ich finde mich mit dem Umstand ab, der historisch bedingt vorherrscht und bin da pragmatisch. Die Vergangenheit kann ich nicht beeinflussen, sondern nur das, was vor mir liegt.
In Deutschland dürfen Frauen erst seit 1977 ohne die Erlaubnis ihrer Ehemänner arbeiten. Das ist noch keine lange Zeit. Da gibt es viel aufzuholen.

Und da sind wir gerade dabei.

Stichwort Frauennetzwerke: Wenn ich hier einen kleinen Beitrag für die Zukunft leisten kann, indem ich Frauen vernetze, dafür sorge, dass sie auf Vorbilder treffen und dadurch ermutige, finde ich das sehr gut.

Dein Lösungsweg ist ja ein sehr Berlin-typischer Ansatz: erst einmal ein Fest organisieren. Aber was soll ein Frauennetzwerk bringen? Da treffen sich unterschiedliche „Hochleistungs“-Frauen, vernetzen sich, und dann? Dann gehen alle wieder auseinander. Im besten Fall sind sie alle betrunken am Ende. Aber ansonsten, was soll der Effekt sein?

Im besten Fall waren alle Anwesenden so inspiriert voneinander, dass sie das ganze Wochenende nach dem Sommerfest über nichts anderes nachdenken konnten.
Und am Montag danach waren sie hoffentlich so angefixt, dass sie dachten: Es ist jetzt mal an der Zeit, etwas anders zu machen, als sie es bisher getan haben.

Zum Beispiel?

Mutiger sein. Mehr zulassen. Tatsächlich den nächsten Schritt, die nächste Beförderung wagen.

Und mit den Frauen im Austausch bleiben, die sie auf dem Fest getroffen haben, um ein wachsendes Frauennetzwerk zu bilden.
Das Frauen Sommer- und Thinkfest soll dazu beitragen, dass Frauen sich mehr ihren Mut-Fragen stellen.

Was meinst Du mit „Mut-Fragen“?

„Persönlicher Erfolg ist manchmal einfach eine Mut-Frage. Man muss raus aus der eigenen Komfortzone, sich in Regionen vorwagen, in denen man noch nicht war.“


Unbekanntes Terrain betreten. Es ist klar, dass es leichter fällt, in der Komfortzone zu bleiben, als sich ins Unbekannte zu stürzen.

Gut, aber das ist bei Männern ja nicht anders. Auch Männer müssen ja Dinge denken, die Sie noch nie gedacht haben, den Schritt ins Unbekannte wagen. Warum soll das für Frauen schwieriger sein?

Einige Dinge kann man sich, glaube ich, auch biologisch erklären. Männer sind wohl tendenziell risikobereiter.
Zumindest ist das etwas, das ich oft beobachte, vor allem in der Start-Up Welt und wovon ich auch in einigen Studien gelesen habe.

Zu Deiner Geschichte: Du verantwortest das Family Office einer einflussreichen indisch-amerikanischen Unternehmerfamilie und investierst für sie auch in Start-Ups. Man kann Dich guten Gewissens als sehr erfolgreiche Frau bezeichnen.
Wie hast du es denn geschafft, Dich als italienisch-deutsche Frau in der sehr männlich dominierten indischen Top-Wirtschaft durchzusetzen?

Mühevolle Kleinstarbeit (lacht)! Ich bin 1998 das erste Mal nach Indien geflogen. Da war ich 17. Das ist ja schon mal eine erste Leistung, meine Eltern dazu zu bringen, mich nach Indien zu schicken – alleine.
Indien hat mich total fasziniert. Unter anderem vielleicht deshalb, weil ich eine christliche Erziehung genossen habe.

Indien ist das Land aller Religionen. Christentum, Islam, Hinduismus. So viele unterschiedliche Denk- und Religionsmuster. Das habe ich mir dann als Backpackerin angesehen und einige Ashrams besucht. Damals wusste ich schon: Da will ich nochmal hin!

Nach dem Abitur habe ich ein Gap Jahr gemacht. Und habe beschlossen, in andere asiatische Länder zu reisen, weil ich dachte, ich sei nur deshalb so von Indien fasziniert gewesen, weil es meine erste Reise außerhalb Europas war.
Ich war in Korea, Nepal, später China und anderen asiatischen Ländern. Und eben auch nochmal in Indien.

Anschließend habe ich in Stuttgart BWL mit Schwerpunkt Steuern studiert, bekam 2005 meine erste feste Stelle bei der KPMG, habe 2008 das Steuerberater-Examen geschrieben und wurde mit 27 Jahren Steuerberaterin. Schon damals habe ich meinem Chef gesagt: „Wenn ich das Examen in der Tasche habe, will ich nach Indien“.

Weil ich so entschlossen war, sollte ich dann tatsächlich nach Indien entsandt werden. Das war 2009. Aber erst einmal galt es, das Steuerberater-Examen zu bestehen.

Dann die Nachricht meines damaligen Chefs: Versetzung nach Indien. Hyderabad. Ich saß da gerade vor der Nationalbibliothek in Frankfurt mit einer Freundin, wir haben zusammen für das Examen gelernt. Diesen Moment werde ich nie vergessen.

War das einer der schönsten Momente deines Lebens?

Ob es der Schönste war, weiß ich nicht. Das Leben bietet vielleicht noch ein paar geniale Momente. Aber ein Moment, den ich mir gemerkt habe.

Dann kam 2009. Finanzkrise
Da hat es dann hat es doch nicht geklappt mit Indien und der KPMG. Da habe ich gekündigt und gesagt: „Wenn ich nicht nach Indien darf, gehe ich.“

Zwei Jahre lang war ich in anderen Kanzleien. 2011 bin ich wieder zurück zur KPMG und habe erneut versucht, nach Indien entsandt zu werden.
Mein Karriereplan sah damals vor: Partnerin bei der KPMG werden. Mit Indien als Business Case.

Anfang 2012 nahm ich mit einer Delegation an KPMG Partnern aus Deutschland, China, USA und UK an einer Geschäftsreise nach Indien teil.
Vor Ort in Neu-Delhi hatte ich einen Business Lunch mit indischen Geschäftsleuten und Unternehmern organisiert. Dort haben sich auch mein damaliger Chef (KPMG) und mein jetziger Chef Herr Bissell (Eigentümer von Fabindia) zum ersten Mal getroffen. Ich habe eigentlich damals gedacht:
„Okay, jetzt gehe ich nach Deutschland zurück, unterschreibe und dann schicken die mich sofort zurück nach Indien“. Doch dann gab es wieder Probleme – kurz: Es hat wieder nicht geklappt.

Im selben Jahr hat Herr Bissell Minderheits-Anteile an seiner Firma Fabindia an den asiatischen Private Equity Arm von Louis Vuitton und einen indischen Investor verkauft. Die Familie hatte damit erstmals ein größeres liquides Vermögen zur Verfügung, mit dem sie arbeiten wollten. Ich wurde gefragt, ob ich die damit verbundenen Aufgaben übernehmen wollte. Also die steuerliche Koordination in den USA und in Indien, die Themen, welche die Doppelbesteuerung betrafen und die Investment-Strategie.

„Um es kurz zu machen: Ich habe diese „Once in a lifetime chance“ ergriffen.


Als ich erneut kündigen wollte, bot mir die KPMG großzügigerweise ein einjähriges Sabbatical an. Damit war es für mich leichter, aus meiner eigenen Komfortzone zu treten.
Moritz, mein damaliger Freund und heutiger Ehemann, hat mich unterstützt.
So flogen wir 2013 gemeinsam nach Indien, damit ich das Family Office aufbauen konnte.

Heute, 6 Jahre später, sitze ich in einigen Start-Up Boards in Asien, habe das Vermögen der Bissell Familie über die letzten Jahre erfolgreich gemehrt.
Ich bin Beirätin bei der Christoph Kroschke GmbH und habe mit dem Bundesverband Deutsche Startups das German-Indian Startup Exchange Program GINSEP aufgebaut.
Ich habe viel über multikulturelle Teams und interdisziplinäre Teamarbeit gelernt.

Beruflich bin ich außerordentlich erfüllt. Mal sehen, was das Leben noch so für mich birgt.

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