Caroline Behr von VOLT Berlin und Alexander S. Wolf im Gespräch. © Alexis Gshtrayn

Caroline Behr von VOLT im Talk mit Alexander S. Wolf

Alles auf VOLT: Carolin Behr von VOLT Berlin im Gespräch

Alexander S. Wolf hat mit Carolin Behr, der Spitzenkandidatin von VOLT Berlin, gesprochen.

Schon mal was von VOLT gehört? Ja. Aber in der Politik? Die junge Partei mischt die Politszene ganz schön auf und ist bereits u.a. in der Regierung von Köln, Bonn und Amsterdam vertreten.

Alexander S. Wolf hat mit der Spitzenkandidatin von VOLT Berlin Carolin Behr gesprochen.

Carolin Behr ist Ärztin, Schönebergerin, Europäerin und kandidiert für das Abgeordenetenhaus sowie die Bezirksverordneten-Versammlung. Sie ist die Spitzenkandidatin von VOLT Berlin.

Alexander S. Wolf: Wofür steht VOLT?

Carolin Behr: Volt steht, wie der Name schon sagt, für Spannung und neue Energie. Und das in ganz Europa. Wir sind in 30 Ländern aktiv, von Bulgarien bis Portugal. Das heißt, wir haben ein europäisches Programm.

Alexander S. Wolf: Aber schmeiß ich meine Stimme nicht weg, wenn ich eine Partei wie euch wähle, die mit aller Wahrscheinlichkeit überhaupt nicht über 5 Prozent kommt?

Carolin Behr: Es ist tatsächlich so, dass wir dort, wo wir bekannt werden, auch gewählt werden. In Amsterdam sind wir gerade mit 6 Prozent ins Parlament reingekommen. Gerade in Städten verzeichnen wir Erfolge: In Köln und Bonn sind wir aus dem Stand über 5 Prozent gekommen, obwohl wir in Umfragen vorher gar nicht aufgetaucht sind. Das Krasse ist aber (was mich ehrlich gesagt sogar selber überrascht hat), dass wir bundesweit aktuell – laut Zeit Online – schon bei 3 Prozent sind.

Alexander S. Wolf: In welchen anderen Orten seid ihr noch sichtbar?

Carolin Behr: Wir sind in Bulgarien in relativ vielen Parlamenten, in Italien auch, und wir nehmen gerade jetzt bei den Wahlen in Portugal teil. Demnächst kommen die Kommunalwahlen und Bürgermeisterwahlen in Lissabon. Und auch in den Niederlanden sind wir bereits in vielen Städten vertreten und mit drei Sitzen sogar im nationalen Parlament.

Alexander S. Wolf: Wir haben vorher ein paar Leute gefragt: Kennst du VOLT? Die Antworten sind der Hammer. Die eine sagt: ‚Ja, das sind doch diese Neoliberalen.‘ Der andere sagt: ‚Ja, die wollen ja alles verstaatlichen.‘ Also ihr seid quasi alles, was die Leute sich so vorstellen können. Was seid ihr denn wirklich?

Carolin Behr: Bit of everything – sprich, es ist abhängig von den Themen. Wir haben sehr sozial fokussierte Themen, wie zum Beispiel das Thema ‚Soziale Gleichberechtigung‘. Auf der anderen Seite sind wir sehr unternehmerfreundlich und fördern vor allem kleine und mittlere Unternehmen und Start-Ups, sowie Innovationen grundsätzlich. Das alles aber immer mit einem sozialen Standard. Das liegt daran, wie und von wem wir gegründet wurden, nämlich von zwei McKinsey Unternehmensberatern, die auch im sozialen Bereich gearbeitet haben.

“Wir haben sehr sozial fokussierte Themen, wie zum Beispiel das Thema ‚Soziale Gleichberechtigung‘. Auf der anderen Seite sind wir sehr unternehmerfreundlich und fördern vor allem kleine und mittlere Unternehmen und Start-Ups…”


Alexander S. Wolf: Dein Co-Spitzenkandidat war aber bei den Piraten vorher…

Carolin Behr: Das stimmt. Aber das war fast der Einzige, der jemals zuvor in einer anderen Partei war. 70 Prozent der Mitglieder hatten vorher nie was mit Politik zu tun. Das ist das Ziel: Menschen wieder in die Politik zu bringen, sie wieder für Politik zu interessieren, zu begeistern. Es kann nicht sein, dass so vieles nicht funktioniert und man sich immer nur darüber ärgert. Es wird sich definitiv nichts von alleine ändern.

Alexander S. Wolf:  Auf euren Plakaten nutzt ihr Slogans wie, „Digitale Verwaltung wie in Estland“ oder „Wohnungsbau wie in Wien“. Ihr macht also Wahlkampf in meiner Stadt und erzählt mir was von Wien. Wieso sollte mich das interessieren?

Carolin Behr: Die Idee dahinter ist, nicht aufzuzeigen WAS geändert werden muss, sondern auch zu zeigen, WIE es gemacht werden soll. Das ist nämlich ein essenzieller Unterschied. Wir versuchen, unsere Ziele mit Best Practice Beispielen zu veranschaulichen. Wir schauen uns an, was hier in der Stadt nicht funktioniert und wo es irgendwo in Europa oder wo auch immer schon eine Lösung für das Problem gibt. Beispiel Bildungssystem: Hier funktioniert es nicht. In Finnland ist es top. Wir wollen mit diesen Plakaten zeigen, dass unser Problem bereits jemand anderes eigentlich schon gelöst hat.

Alexander S. Wolf:  Das war ja die Idee Europas: Voneinander lernen. Dann muss nicht jeder die Fehler selber machen. Ein relativ alter Gedanke, der jetzt endlich mal in die Politik vorgedrungen ist.

Carolin Behr zu: VOLTS 5 KERNTHEMEN

“Wir fokussieren uns auf echte Lösungen in 5 Kern-Bereichen: Bildung, Mobilität, Digitalisierung, Verwaltung und Wohnungsbau.”

Carolin Behr zu: DIE VISION VON VOLT

Wir haben eine Vision. Es geht um die EU und um die EU-Institutionen. So wie es jetzt gerade ist, funktioniert vieles nicht. Die EU ist dysfunktional und oft handlungsunfähig. Vieles wird einfach nicht entschieden. Es gibt das Einstimmigkeitsprinzip, da jedes Land ein Veto einlegen kann. Das ist nicht demokratisch.

Wir haben drei Möglichkeiten.

Entweder, wir lassen es so und die EU bleibt einfach dysfunktional.

Oder man geht wieder zurück zu Nationalstaaten – alle machen einfach ihr Ding.

Oder wir sagen: Wir wollen wirklich eine parlamentarische europäische Demokratie mit einer nachhaltigen sozialen Wirtschaft. Stichwort Donut Economy.

Wir wollen ein wirklich funktionierendes europäisches System mit gewissen menschlichen Standards.


Carolin Behr zu: VOLTS RADIKALSTER ÄNDERUNGS-PLAN IN BERLIN

So unfassbar trocken, wie das klingt, so radikal neu wäre das: Endlich eine funktionierende Verwaltung für Berlin. Wir haben anderthalb Jahre recherchiert, was hier in Berlin eigentlich die Probleme sind, was und warum vieles schlecht funktioniert. Fazit: Die Verwaltung funktioniert einfach überhaupt nicht und bremst alles aus. Deshalb ist unser Plan eine „Senatsverwaltung für Digitalisierung“. Sie soll nicht nur die Verwaltung komplett und zügig digitalisieren, sondern auch eine ganz andere Art zu arbeiten in der Verwaltung etablieren. Stichwort: Effizienz und Selbstmanagement.

Carolin Behr zu: LOBBYISMUS

Wir stehen tatsächlich für komplette Transparenz. Wir wollen auf allen Ebenen Lobbyregister einführen.

Carolin Behr zu: VOLKSENTSCHEID „DEUTSCHE WOHNEN & CO ENTEIGNEN“

Sozialer Wohnungsbau wie in Wien und nicht Enteignen!

Carolin Behr zu: PERSÖNLICHER PLAN B, FALLS VOLT UNTER 5% BLEIBT

Unser Ziel ist, 2024 im Europaparlament mit Abgeordneten aus mindestens sieben europäischen Ländern eine eigene Fraktion zu haben. Das heißt, ich würde bei einem Misserfolg im September trotzdem auf jeden Fall dabei bleiben, aber gleichzeitig auch wieder im Krankenhaus als Ärztin arbeiten.

Carolin Behr zu: MÖGLICHE KOLAITIONSPARTNER

Wir sind eine komplette „Themen-Partei“ und wir koalieren mit denjenigen, mit deren Themen unsere Schwerpunktthemen zusammenpassen. In Köln sind wir in der Regierung mit den Grünen und der CDU. In Frankfurt ist noch die SPD und die FDP dabei.

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