Alexander Wolf in The Haus

Alexander Wolf in The Haus ©AusserGewöhnlich Berlin

In der Hauptstadt der Freiheit – Alexander Wolf in The Haus

Alexander Wolf in The Haus: Der Mitinitiator spricht mit uns über die Entstehung von The Haus und warum man ein Netzwerk haben muss, um seine Träume zu verwirklichen.

Alexander Wolf in The Haus

Sie haben die Dixons und Pandion im Jahr 2016 zusammengeführt. Das war der Ursprung von The Haus. Wie kam es dazu?

Das Ganze ist so entstanden wie viele Sachen bei AusserGewöhnlich Berlin entstehen: Durch das Zusammenbringen möglichst heterogener Menschen. Es geht um die Kunst, Menschen miteinander reden zu lassen, die sonst nie miteinander reden würden. Pandion, ein Immobilienunternehmen, ist Mitglied bei AusserGewöhnlich Berlin. Der Berlin-Chef von Pandion rief mich an und erzählte mir, dass er gerade ein Gebäude gekauft habe, das abgerissen werden würde, um dort künftig Wohnungen zu bauen. Bis das so weit wäre, stünde das Gebäude leer und er sei bereit, das Gebäude temporär zu vermieten. Er fragte mich, ob ich einen Kontakt für ihn hätte.

Ich versuche immer an das Absurdeste zu denken, was mir einfällt und nicht an das Naheliegende. Was ist das, was irgendwie anders ist und nicht gewöhnlich?


Unser Netzwerk heißt AusserGewöhnlich Berlin, weil wir nicht die gewöhnlichen Lösungen suchen, denn gewöhnlich ist für alle. Naheliegend wäre es gewesen, die Büroräume für die nächsten Monate zu vermieten. Das wäre aber totlangweilig gewesen. Also habe ich darüber nachgedacht, was in das Haus müsste, damit es außergewöhnlich und besonders werden würde.

Mir kam die Idee, dass man mit dieser Immobilie ein Zeichen setzen könnte: Ein Zeichen gegen die Verdrängung der Kultur aus unserer Innenstadt. Ein ganz aussergewöhnliches Zeichen, denn gerade Pandion ist bekannt für Luxus-Immobilien, die Lage des Hauses war direkt am KuDamm. Dort also, wo es bisher gar keine Berliner (Sub-)Kultur gab, würde ein Unternehmen, das perfekt in das Feindbild der Berliner Kulturszene passt, ein Zeichen gegen Gentrifizierung setzen. Beziehungsweise ein Symbol für die Lösung des Problems: Nämlich Kooperation und Zwischennutzung.

Die Idee: Wenn die Immobilienbranche und die Kulturszene mehr miteinander statt gegeneinander arbeiten würden, hätten wir auf einmal genügend Flächen für das bunte kreative Berlin – mitten in der Stadt. Zwar immer nur temporär, aber dafür zahlreich.

Die Immobilienfirma hatte ich ja schon. Fehlte also noch die Kultur. Relativ schnell dachte ich an die Dixons, die ihr Geld damit verdienen, Wände mit gesprayten Werbemotiven für Markenartikler zu gestalten. Die Dixons würden etwas Abgefahrenes mit dem Gebäude machen. Das wäre Kunst, Kultur und das wäre Berlin.

Pandion fand die Idee interessant, doch die Nebenkosten mussten ja trotzdem bezahlt werden.

Die Idee: Wenn die Immobilienbranche und die Kulturszene mehr miteinander statt gegeneinander arbeiten würden, hätten wir auf einmal genügend Flächen für das bunte kreative Berlin.


Ich fühlte mich wie ein Koch, dem es Spaß macht, möglichst viele verschiedene Zutaten, in einen Topf zu packen und dann eine Überraschung zu kreieren. Die Zutat, die fehlte, war Geld. Wer gibt einem Geld, ohne dass man die Räume hergeben muss. Da kam mir Tobias Assies in den Sinn, ein anderes Mitglied von AusserGewöhnlich Berlin und Freund von mir, der Großflächenplakate vermarket. Ich rief Tobias  an und er sagte mir zu, die Fassade in der Nürnberger Straße 68 zu vermarkten.

Vor dem Abriss The Haus

Die Werbung von Tobias Assies ©AusserGewöhnlich Berlin

So hatte ich die verschiedenfarbigen Fäden zusammengewoben: Ich hatte einerseits jemanden, der mit Werbung Geld in das Projekt holte, mit dem die Miete für das Haus bezahlt werden würde und anderseits kreative Leute, die etwas Verrücktes machen wollten und konnten.

Und so rief ich die Dixons an und fragte, ob sie ein ganzes Haus am KuDamm haben wollten, in dem sie machen könnten, was sie wollten. Mit dieser Grundfreiheit konnten die Dixons starten und wiederum knapp 170 Künstler einladen, The Haus zum größten Urban Art Projekt der Welt zu machen.

Alexander Wolf in The Haus am Ku`Damm

Alexander Wolf in The Haus mit den Dixons ©AusserGewöhnlich Berlin

Sie sind der Gründer des Netzwerks AusserGewöhnlich Berlin. Mit Hilfe Ihrer Kontakte haben Sie das Projekt The Haus auf die Beine gestellt. Wofür machen Sie das?

Jeder Mensch hat immer verschiedene Motivationen, wenn er etwas macht. AusserGewöhnlich Berlin funktioniert als Club, wenn die Mitglieder sehen, dass sich ungeahnte, außergewöhnliche Kooperationen aus diesem Netzwerk ergeben und Lösungen, die sie nie für möglich gehalten hätten. Mein Eigeninteresse war es also, zu zeigen, was man mit einem gut funktionierenden Netzwerk erreichen kann. Ich wollte zeigen, dass wir handeln und nicht nur darüber reden.

Außerdem will ich  etwas für unsere Stadt tun. Denn Berlin ist die lebenswerteste Weltstadt, die ich kenne. Und ich möchte gerne, dass dies so bleibt.

The Buch von The Haus

Alexander Wolf in The Buch ©AusserGewöhnlich Berlin

Ich habe vor Jahren viele kulturelle Sachen gemacht. Zum Beispiel habe ich die Clubcommission ins Leben gerufen und eine Lobby für das Berliner Nachtleben geschaffen. Ich habe oft mit Künstlern zusammengearbeitet und ich erlebe in den letzten Jahren, dass die Flächen für Kunst und Kultur in der Stadt immer weniger werden. Die Stadt wächst, die Stadt wird verdichtet und es wird immer mehr gebaut.

Dort wo gebaut wird, entstehen keine Clubs, Cafés und Galerien, sondern Wohnungen oder Büros. Wir brauchen Wohnungen und Büros, aber die Stadt ist deshalb so attraktiv, weil es so viele Bars, Clubs und Galerien gibt. Wenn die aus der Innenstadt verschwinden, haben wir eine Innenstadt in der man arbeiten und wohnen, aber nicht mehr leben kann.

Also dachte ich mir, das The Haus könnte ein schönes Beispiel sein, wie wir es schaffen, Flächen für Kunst und Kultur in der Stadt zurückzuerobern: Indem wir der Immobilienbranche zeigen, dass es sich lohnt, sich mit verrückten Menschen zu umgeben.


Am Ende gibt es positive PR und Menschen, die dich normalerweise hassen würden, lieben dich. Der Name des neuen Projektes, der Wohnungen, die von Pandion gebaut werden, heißt auch The Haus. Wenn man den Namen The Haus googelt, findet man viele Presseberichte und genau im The Haus werden bald Wohnungen verkauft. Eine bessere Vertriebsstrategie hatten sie noch nie.

Pandion hat also eine riesige Werbekampagne für ihre Wohnungen laufen.  Das soll ein Beispiel für die anderen Immobilienentwickler der Stadt sein, gerne auch weltweit: „Wenn du in Berlin baust, dann denk bitte an die Kultur und die Kunst. Wenn du in Berlin baust, dann denke an die Berliner. Am Ende lohnt es sich“.

Alexander Wolf in The Haus: Wie ist das, wenn Anzugträger wie Sie in The Haus auf Künstler treffen?

Anfangs war das sehr seltsam. Dann trifft Doterius Molrok, der im Bademantel rumläuft, auf mich, einen Typ im Dreiteiler. Von außen sieht das sehr seltsam aus. Aber das ist das Besondere in Berlin. Anders als woanders in der Welt, zählt die Verpackung nicht so viel in Berlin.

Du kannst hier im Bademantel herumlaufen und ein Typ aus der Wirtschaft wird dich  trotzdem akzeptieren. Umgekehrt wird dich kein Künstler aus seinem Raum schmeißen, nur weil du einen Dreiteiler trägst.


Slava und Alexander Wolf in The Haus

Slava Ostap mit Alexander Wolf in The Haus ©AusserGewöhnlich Berlin

In Berlin kannst du in kurzen Hosen in die Oper gehen und im Anzug in den Club. Genau das sieht man in The Haus. Ich traf Leute in The Haus, die so aussahen, als ob sie gerade ihr Überseekonto bei einer Investmentbank aufgelöst haben, und die sich  mit einem Künstler einen Joint bauten. Im The Haus fanden interessante, skurrile Szenen statt. Das ist Berlin: Der Bruch, die Unterschiedlichkeit, die Vielfalt, das Akzeptieren des anderen Lebenskonzeptes, das Ungewöhnliche und im Endeffekt die Freiheit.

Sie sind also von ganzem Herzen Berliner?

Selbstverständlich. Berlin ist die Hauptstadt der Freiheit. Diese Stadt hat Jahrzehnte für ihre eigene Freiheit kämpfen müssen. Diese Stadt war Dekaden in Ketten und hat es trotz äußerer Ketten geschafft, innen frei zu bleiben und das ist Berlins Strahlkraft. Das habe ich mir gewünscht mit The Haus zu präsentieren und ich glaube, das ist gelungen.

Alexander Wolf bei AusserGewöhnlich Berlin

Alexander Wolf bringt Leute zusammen ©AusserGewöhnlich Berlin

Das Ganze gründet auf Networking. Das heißt, um erfolgreich zu werden brauche ich ein gutes Netzwerk?

Was heißt schon erfolgreich. Ich würde sagen, um seine Träume zu verwirklichen, muss man ein Netzwerk haben. Niemand schafft es alleine, seine Träume zu verwirklichen, außer er träumt davon, alleine in einer Höhle im Wald zu sitzen. Das bekommt man alleine hin. Aber die meisten Lebensträume haben immer mit Menschen zu tun, die unterstützen und helfen müssen. Ein Netzwerk heißt ja nichts Anderes, als Menschen zu kennen, die mit Freude helfen und freiwillig geben, ohne etwas zurückzufordern, weil sie wissen, dass es langfristig für sie auch viel gibt. Das ist die Lehre, die viele noch lernen müssen.

Die meisten denken immer nur an sich, an das jetzt und die immanente Bedürfnisbefriedigung. Und das ist sehr schade. Solche Projekte wie The Haus entstehen nur, indem 165 Künstler ehrenamtlich wochenlang für das große Ganze und die gemeinsame Idee arbeiten. Kein einziger Künstler hat gefragt, was er an Stundenlohn bekommt. Das Netzwerk beruht auf der Idee: „Ich kann etwas, aber zusammen sind wir stärker. Lass uns gemeinsam erstmal investieren und am Schluss haben wir alle etwas davon.“ The Haus ist ein sehr schönes Beispiel, wie Netzwerken funktioniert. Schmeißt die Kräfte zusammen und dann wird etwas Großes daraus.

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