30 Jahre Mauerfall. Berlin verrät, was von der DDR übrigbleibt. Auf einem Mauerstück.

Mauer-Panorama von Yadegar Asisi: Der Künstler aus dem Iran kreiert die größten Panoramen der Welt. ©AusserGewöhnlich Berlin

Welches Mauerstück bist Du? AusserGewöhnliche Berliner erzählen, was von der DDR übrig blieb

12 Berliner verraten, was sie auf ihr persönliches DDR-Erinnerungs-Mauerstück draufpacken würden.

30 Jahre ist es her.
1989 wurde die Mauer in Stücken runtergerissen.

Das eine oder andere Mauerstück hat überlebt.

Zwei davon sind gerade in der Galerie von AusserGewöhnlich Berlin zu sehen.

Die Urban Artists RON MILLER haben auf das Mauerstück eine Geisha gepackt.

Einmal gefesselt. Einmal in Zwangsjacke.
Für RON MILLER bedeutet die Mauer Gefangensein und Freiheit.

Was wäre auf deinem Mauerstück zu sehen? Das haben wir ganz Berlin gefragt. Herausgekommen ist eine Liste mit 12 personalisierten Berliner Mauerstücken.

Wenn ihr mehr über das Berliner Urban Art Duo erfahren wollt, lest hier unseren Artikel zu RON MILLERs Ausstellung in der Galerie von AusserGewöhnlich Berlin.
Im Online Katalog könnt ihr die anderen Werke der Urban Artists bestaunen.
Und wenn ihr dann immer noch nicht genug habt von Kunst: Schaut euch hier unseren Artikel über Yadegar Asisi an. Er kreiert die grössten virtuellen Panoramen über die Berliner Mauer der Welt.

Mauerstück von RON MILLER mit Geisha.

Die Berliner Urban Artists RON MILLER haben auf ein Mauerstück eine Geisha in Zwangsjacke gepackt. Das Werk kann man sich in der Galerie von AusserGewöhnlich Berlin anschauen. ©AusserGewöhnlich Berlin

Wir haben Berlin gefragt: Was bleibt für dich von der DDR? Was ist auf deinem persönlichen Mauerstück zu sehen?

Mauerstück Nr. 1: Straßenlaternen. Und ein Ampelmännchen.

„Man sieht die DDR noch heute in Berlin. Das siehst du an den Straßen, an den Lampen.
Im Osten haben die Straßenlaternen gelbliches Licht, nicht weißes Licht wie im Westen.
Und die Ampelmännchen natürlich. Die, die so verhökert werden als Souvenir, das sind die Ostmännchen.“

Mauerstück Nr. 2: Panzer und rote Fahnen auf der Stalin-Allee.

Wenn man heute die Karl-Marx-Allee (früher Stalin-Allee) sieht, kommt es einem manchmal so vor, als sei man auf einer Straße in Russland.
Ich seh´ da förmlich die Panzer lang fahren, alle wedeln so mit den roten Fahnen.

Mauerstück Nr. 3: Topffrisuren.

„Ich hab keine Ahnung wieso. Aber immer, wenn ich an die DDR denke, habe ich diese Männer mit den Topffrisuren im Kopf. Die waren doch aus dieser Zeit, oder?“

Mauerstück Nr. 4: Papa und Stiefmama mit Herzchen.

„Auf meinem Mauerstück sind mein Papa und meine Stiefmama drauf, wie sie sich an der Hand halten. Mit so einem schön kitschigen Herz obendrüber. Ohne den Mauerfall hätten die beiden sich nämlich gar nicht kennengelernt.
Meine Stiefmama hat damals im Osten in Chemnitz gelebt.
Mein Papa in Kassel im Westen.
Für die Arbeit ist sie nach Hessen gezogen. Und hat sich in meinen Papa verliebt.“

30 Jahre Mauerfall. Was packt Berlin auf sein Mauerstück?

Mehr als nur ein Mauerstück: Mauerpanorama von Künstler Yadegar Asisi. ©AusserGewöhnlich Berlin

Mauerstück Nr. 5: Ein nickender Uniform-Mann.

„Meine Eltern waren aus dem Westen. Irgendwann sind die dann mal nach Westberlin gezogen.
Und immer, wenn sie nach Hause wollten, mussten die durch so ne Transitzone. Da hat man manchmal ewig gewartet.
Und einer der Uniform-Männer da hat immer genickt, wenn man durchgefahren ist.
Irgendwann hat mein Vater mal rausgefunden, dass da ein Spiegel war, der die Autos von unten kontrolliert hat. Deshalb hat der so genickt.
Daran muss ich bei DDR denken. Deshalb wäre auf meinem Mauerstück ein nickender Uniform-Mann.“

Mauerstück Nr. 6: Die Drei-Linden Transitstrecke.

„Grenzübergang Drei-Linden Wannsee. Als Kind war es immer total aufregend, wenn man über die Transitstrecke gefahren ist.
Man dachte irgendwie immer, dass die einen da vielleicht mitnehmen und ins Gefängnis stecken.
Was natürlich nicht stimmte. Aber als Wessi wurde man da schon mal gepiesakt. Da musstest du dein Ausweis abgeben, der fuhr dann so über ein Förderband bis zum Häuschen.
Und alle hatten dieselbe graue Uniform an. Und wenn sie Lust hatten, haben sie dich rausgewinkt. Dann wusstest du: Das geht jetzt Stunden, bis du wieder weiterfahren kannst. Da haben sie dann alle deine Kassettenbändchen angehört, mit dem Spiegel unten lang gefahren, das Auto ummontiert und so.
Da waren auch immer so Plattenwege auf der Transitstrecke, das war nicht so ne geile Autobahn sondern ganz ruckelig.“

Mauerstück Nr. 7: Eine Schulklasse.

„Bei mir vor der Haustür ging direkt die Mauer lang. Da sind noch so Pflastersteine. Und da sind vormittags jetzt immer so Führungen für Schulklassen. Da erzählen sie, wie Leute aus dem Haus gegenüber da auf die Mauer rausgeklettert sind. Darum ist auf meinem Mauerstück diese Schulklasse vor meiner Haustür.“

Wir haben ganz Berlin gefragt, was von der DDR übrig bleibt und was sie auf ihr Mauerstück packen würden.

Was verbindest du mit der DDR? Wir haben Berliner und Berlinerinnen gefragt, was sie auf ihr ganz persönliches Mauerstück packen würden. ©AusserGewöhnlich Berlin

Mauerstück Nr. 8: Ein Haufen bunter Leute, die über die Mauer in den Osten klettern.

„Auf meinem Mauerstück ist eine Szene am Kubadreieck.
Potsdamer Platz war damals Niemandsland, da war die Mauer.
Die Brachfläche da wurde immer von ein paar Anarchies besetzt. Die wurde mal geräumt, dann sind dann alle auf die Mauer gehüpft Richtung DDR. Sowas gab’s halt noch nicht, dass so Polittypen und Anarchies und ein Haufen bunte Leute aus dem Westen auf die Mauer springen, um nach Ostberlin zu gehen. Die im Osten fühlten sich aber voll geehrt, haben diesen Trupp dann in Empfang genommen. Das war damals voll in den Nachrichten. Die wurden aber ziemlich schnell mal mit der U-Bahn wieder rübergeschickt. Aber sie wurden ein bisschen so wie Helden gefeiert.“

Mauerstück Nr. 9: Ein Gefängnis.

„Mein damaliger Freund hat in Kleinmachnow gewohnt. Seine Straße hörte wirklich direkt vor der Mauer auf. Sein Bruder ist irgendwann drübergeklettert mit ´nem Kumpel von ihm. Er wurde erwischt, kam dann ins Gefängnis.
Das war aber kurz vor Mauerfall. Deshalb saß er nur 3 Monate.“

Mauerstück Nr. 10: ALT.

„Für mich ist das so weit weg. Ich war da ja auch noch gar nicht auf der Welt. DDR ist für mich einfach eins: lange her. Darum steht auf meinem Mauerstück „ALT“ drauf.“

Mauerstück Nr. 11: Luftballons

Ich würde Luftballons auf mein Mauerstück packen. Die haben sie nämlich an der 25-Jahre-Mauerfall-Party hochfliegen lassen. Das hat den Mauerfall symbolisiert.

Mauerstück Nr. 12: Ein alter Mensch im Krankenbett.

„Ich hatte bisher irgendwie gar keinen Gedanken an die DDR. Meine Eltern waren halt aus dem Westen und haben einfach manchmal erzählt wie es so war, in den Osten zu fahren.
Seit ich die Ausbildung im Krankenhaus in Potsdam mache, fällt mir auf, dass alte Patienten, gerade bei jungen Leuten, denken, sie müssten die DDR verteidigen. Sagen, dass es doch gar nicht so schlimm war.“

Beitrag von unserer Gastautorin Malin Kristina Hunziker aus der Schweiz.

Das ist der Beweis, dass auch die Schweiz Berlin ist. Falls Du auch über Berlin-Themen schreiben willst, sag gerne Bescheid.

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